Lernziel: Die Corona-Virus Krise verständlich machen


Selbst nach sechs Monaten ist die Corona-Krise immer noch schlimm für uns alle, besonders für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ASS, die meist nicht verstehen, warum so viel plötzlich anders ist. Es mag ja noch okay sein, dass man zweimal beim Händewaschen “happy birthday” singt, obwohl man doch überhaupt keinen Geburtstag hat. Aber was soll es, dass man sonst immer aufgefordert wurde, die Oma mit einer Umarmung und einem Kuss zu begrüßen, und nun darf man sie nicht mal mehr besuchen, weil sie sich von einem anstecken könnte? Andererseits ist es plötzlich okay, dass man den Hoodie tief ins Gesicht zieht und sich sogar noch hinter einer Maske verbirgt.  Gab es nicht vor kurzem noch das Vermummungsverbot? Aber die Klassen sind nun glücklicherweise kleiner und weniger laut und ab und zu kann man sogar im stillen Zimmerchen Zuhause online lernen. Haben etwa die Neurotypischen/Normalos endlich verstanden, dass man mit Abstand sicherer ist und der Schullärm oft unerträglich ist? Wenn nur nicht dieses heillose Durcheinander wäre und man sich von einem Tag zum anderen umstellen müsste!

  • Je nach Verständnis des Betroffenen mit Autismus muss die Pandemie auf verschiedenen Ebenen erklärt werden.
  • Was ist ein Corona Virus und was eine Pandemie?
  • Was macht es mit uns?
  •  Wie kann man sich schützen?
  •  Was bleibt normal, und wer ist sicher?
  •  Wie geh ich mit Angst und Unsicherheit um?
  •  Und …  warum soll ein Gummiband (s. Bild) helfen?

 

Konkrete Ideen, um Corona zu erklären

 

Mittlerweile gibt es für junge Kinder und stärker Beeinträchtigte ältere Betroffene bebilderte Broschüren, Lieder, Cartoons und Filmclips zum Händewaschen, dem Virus und der Ansteckungsgefahr. Hier einige Beispiele:

 

Corona für Kinder erklärt

https://www.youtube.com/watch?v=ZeazXE4ZljM

 

Corona Kind-gerecht erklärt mit Geschichten und Spielen (in verschiedenen Sprachen)

https://www.corona4kids.de/

 

Kinderlied: Ich steck Dich nicht an – Du steckst mich nicht an

https://www.youtube.com/watch?v=aygMljt6uMA&feature=emb_logo

 

Wenn das Verständnisniveau ausreichend ist können Soziale Geschichten (“Social Stories”) helfen:

https://littlepuddins.ie/coronavirus-social-story

 

Kurze Erklärung warum das Coronavirus gefährlich ist.

https://www.youtube.com/watch?v=vZYW1HmX1c0&list=PL1Z_MZzkUwHF2KY4jADJKJh2u_8Coysrb

 

Das Coronavirus von Kindern für Kinder erklärt (Knietzsche und das Coronavirus)

https://www.youtube.com/watch?v=sDlvnR3qxnk

 

All das wendet sich genauso an Regelkinder wie an Kinder mit Autismus. Masken, Abtrennungen, visuelle Markierungen oder Spuckschutz werden ebenfalls sowohl in Regel- als auch in Sondereinrichtungen eingesetzt. 

 

Darüber hinaus sind allerdings spezielle Maßnahmen für unsere Zielgruppe notwenig. Hier einige Beispiele, die sich auf die zusätzliche Belastung durch den Wunsch nach Vorhersehbarkeit, mangelndes Verständnis und Kommunikationsprobleme beziehen:

 

Konkrete Ideen zur Vorhersehbarkeit

 

Was passiert wann – wie lange - mit wem?

 

Kalender verschiedener Arten, Uhren, Timer und Schedules (real oder auf dem Handy) können kleine und grosse Menschen mit ASS beruhigen, da sie Sicherheit schaffen.

 

So können Kalendereintragungen verdeutlichen, an welchen Tagen Schule ist und welche Fächer/Lehrer dran sein werden. Falls wieder Regelunterricht ausfallen sollte, sind sie zentral um vorauszuwissen, wann man in der Schule, online oder Zuhause arbeiten muss.

 

Wo muss ich was -  wie tun?

 

Zuhause haben sich neben den zeitlichen Strukturierungen feste Spiel- bzw Arbeitsorte bewährt. Junge Kinder reagieren oft positiv auf Beschäftigungs- oder Arbeitsrollies. Schulkinder sehen durch Aufgabenständer mit farblichen Mappen für unterschiedlichen Schulfächer was anliegt. Sie können hierdurch etwas mehr Sicherheit bei ihren Hausarbeiten bekommen.

 

Konkrete Ideen zum Verständnis von Beziehungs-/Sicherheitskreisen

 

Wer ist sicher? 

Vor kurzem gab es hier beim Einkaufen kleine Gummifiguren, die mal die Mickey-Mouse-Familie und mal Winnie-the-Pooh oder andere Charaktere darstellten. Spielerisch können mit diesen, ähnlichen Figuren oder Photos von Leuten Abstandsregeln durch Beziehungskreise verdeutlicht werden. Hierbei steht das “Ich” in der sicheren grünen Mitte mit seiner Familie, in der man sich immer noch nah sein kann. Auf dem orangen Kreis kann man Figuren für die Personen platzieren, denen man lieber mit einer Maske begegnet und zu denen man aktuell Abstand halten sollte. Im roten Bereich können dann die Charaktere angeordnet werden, denen man derzeit lieber ausweichen sollte.

 

Social Circle App

 

 

 

 

 

 

Da diese Zuordnung sehr individuell sein sollte, kann eine vergleichbare visuelle Hilfe mit Klebebildern und Masken gebastelt und heruntergeladen werden.

 

 

 

  

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Konkrete Ideen zum Sozialverhalten

 

Kartenspiele und online Interaktionsspiele für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Autismus stehen mittlerweile auch zum Thema Corona zur Verfügung.

So hat Joel Shaul kreatives Lernmaterial zum Sozialverhalten entwickelt, das er zu einem grossen Teil als kostenlose downloads zur Verfügung stellt. Wir übersetzen das derzeit gemeinsam mit anderen Freiwilligen ins Deutsche und freuen uns über zusätzliche Helfer. 

 

Von Michelle Garcia Winner  stammt die Idee, das eigene Denken unter dem Aspekt “Flexibel wie ein Gummiband” oder “Starr wie ein Stein” zu beurteilen und damit trifft sie in der Coronakrise den Nagel offensichtlich auf den Kopf. Wir alle müssen in dieser Zeit wie Gummibänder reagieren und uns flexibel an die “neue Normalität” anpassen. Da das besonders für Menschen mit Autismus schwer ist, ist die Entwicklung von Flexibilität ein wichtiges Lernziel. Über weitere Ideen und Anregungen freuen wir uns.

 

 

 

Corona Karten